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Kämpfen für eine bessere Zukunft

Auszeichnung für Box-Projekt „tough ain’t enough“ der SG Dietzenbach

Ein guter Boxer muss hart im Nehmen sein. Bei der SG Dietzenbach muss er aber auch etwas im Kopf haben. Dafür steht das Box-Projekt „tough ain’t enough“ - ein einmaliges Konzept, das von LOTTO Hessen gefördert wird. Hart sein alleine reicht also nicht aus, um unter der Leitung von Hossein Mehranfard boxen zu können. Erst wenn die Schulnoten und das Sozialverhalten stimmen, dürfen die Kids mitmachen. Sportverein und Stadt leisten hier seit 2004 gemeinsam Präventions- und Bildungsarbeit, um Jugendliche mit Aggressionspotential und Schulverweigerer aufzufangen. Boxen als Mittel zum Zweck sozusagen.

Die rund 70 Teilnehmer aus 25 verschiedenen Nationen haben ein gemeinsames Ziel: bei der SG Dietzenbach boxen zu dürfen. Die meisten von ihnen zeigen ein hohes Aggressionspotential, viele sind Schulverweigerer. Doch sportlicher Ehrgeiz alleine reicht für eine Teilnahme noch lange nicht aus, denn die Aufnahmebedingungen sind hoch. Erst wenn die schulischen Leistungen stimmen und soziale Kompetenzen wie Pünktlichkeit, Respekt sowie Disziplin verinnerlicht worden sind, kommen sie auf die Liste. Und die ist heiß begehrt: „Unser Projekt ist ein unglaublicher Magnet für Jugendliche. Wir platzen schon aus allen Nähten“, so Hossein Mehranfard, der selbst ohne Eltern nach Deutschland gekommen ist und alleine seinen Weg finden musste. Heute hat er Familie, Kinder, ein abgeschlossenes Studium und ein ehrenvolles Ziel vor Augen: seine Erfahrungen teilen.

Unser Projekt ist ein unglaublicher Magnet für Jugendliche. Wir platzen schon aus allen Nähten.

Haben die Schüler keine sechs, keine fünf und auch keine vier im Zeugnis, dürfen sie zweimal pro Woche kostenlos mittrainieren. Verschlechtern sich die Noten, geht es für sie nicht in den Ring. In solchen Fällen kann die Hausaufgabenhilfe genutzt werden, um die schulischen Leistungen wieder zu verbessern. Wer regelmäßig kommt und bei der Hausaufgabenbetreuung gut mitarbeitet, kann sich dann für einen dritten und vierten Trainingstag qualifizieren - und zu guter Letzt auch für die Wettkämpfe.

Dank der familiären Umgebung des Vereins und der sportlichen Betätigung erfahren die Nachwuchsboxer Anerkennung, Ansporn und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten. Der Sport ist also auch ein Mittel zum Zweck, denn hier boxen sie auch für eine bessere Zukunft. „Mich selbst hat das Boxen früher immer von der Straße weggehalten. Darüber habe ich sehr viel gelernt, vor allem, was falsch und was richtig ist. Das kann ich an die Jugendlichen weitergeben“, erklärt A-Lizenz-Trainer Mehranfard.

Im Training werden auch viele Gespräche über das Leben geführt. „Man kann gar nicht hart genug für das Leben sein. Dafür sorgen wir durch eine harte Sportart und hohen Anforderungen. Gute Noten, Pünktlichkeit und auch spürbares Interesse an Dingen, auf die man eigentlich keine Lust hast: all das ist ein Muss und wichtig für die Jungs und ihr späteres Berufsleben“, erklärt Mehranfard. Ein besonderer Nebeneffekt für ihn: Jugendliche aus den unterschiedlichsten Elternhäusern kommen hier zusammen - und werden Freunde. Etwas, das in der Schule oder auf der Straße wohl niemals passieren würde.

Finanzielle Unterstützung wie durch LOTTO Hessen weiß der Streetworker sinnvoll einzusetzen: „Wir wollen mit Ausflügen und Wettkämpfen den Jugendlichen auch etwas anderes zeigen, nicht nur die eine Stadt, die Hochhäuser und die Straße. Einige Jugendliche sind 16, 17 oder älter und haben noch nie etwas anderes als Dietzenbach gesehen - geschweige denn so etwas wie das Meer. Der Ausflug nach Hamburg zur Box-WM war für die ein Traum“.

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