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Anfassen erwünscht!

Rheingauer Kloster Eberbach eröffnet taktiles Modell

Wie wird es sich anfühlen, die Mauern der Geschichte zu ertasten, in einem Modell Stück für Stück jeden einzelnen Bestandteil der über 900 Jahre zurückreichenden Historie mit den Fingern abzugehen und zu erleben? Was würde ich erspüren können, der ich doch sonst gewohnt bin, mit den Augen zu erfahren? Würde ich erkennen, wenn ich über der Basilika entlangtaste, würde ich „sehen“ können, wo sich das Laiendormitorium oder das Hospital befinden? Diese Fragen stellte ich mir auf dem Weg zur Eröffnung im Kloster Eberbach im Rheingau an einem schönen Oktobertag. Eines der eindrucksvollsten Denkmäler mittelalterlicher Klosterbaukunst in Europa, die ehemalige Zisterzienserabtei Kloster Eberbach, gegründet von Bernhard von Clairvaux im Jahre 1136, lud zur Enthüllung ihres taktilen Modells ein.

Vor einiger Zeit wurden Unterstützer gesucht, das inklusive, aber eben auch kostspielige 3D-Modell für Sehbehinderte und blinde Menschen wahrwerden zu lassen. Da sagte ich als Geschäftsführer von LOTTO Hessen gleich Hilfe zu. Nun war es soweit, das stark verkleinerte, dreidimensionale Tastmodell präsentierte sich ersten Nutzern. Und tatsächlich, die einzelnen Gebäudeteile lassen sich gut erfühlen, unterschiedliche Strukturen helfen bei der Einordnung der Gebäudeteile und sofort setzen sich Bilder in meinem Kopf zusammen. 224 Scans waren nötig, um die gesamte Liegenschaft inklusive einzelner Räume zentimetergenau zu vermessen – und detailgetreu umsetzen zu können.

LOTTO Hessens Geschäftsführer, Dr. Heinz-Georg Sundermann, (rechts im Bild) begutachtet das dreidimensionale Tastmodell.

Ich bin begeistert und froh, dass LOTTO Hessen hier mitgewirkt hat und mit weiteren Förderern die Umsetzung gelungen ist. Das taktile Modell auf Kloster Eberbach wird eine Hilfe und Bereicherung für Menschen mit Handicap sein, damit sie sozusagen „sehen, was wir sehen“. Und in jedem Fall ist die Anlage mit romanischen und frühgotischen Innenräumen, Schauplatz der Verfilmung von Umberto Ecos "Der Name der Rose", immer einen Besuch wert.

Dr. Heinz-Georg Sundermann

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